Dachbegrünung selbst gemacht

“Wenn schon ein Flachdach, dann wenigstens ein begrüntes” – war unsere Meinung, nachdem wir uns entschlossen hatten, aus bautechnischen Gründen (angrenzende Scheune) auf ein Satteldach über unserer Küche zu verzichten. Nun sind Flachdächer bekanntlich etwas delikat, wenn es um ihre Lebenserwartung geht, hauptsächlich weil Regenwasser nicht so schnell abläuft und leichter Schaden anrichten kann. Wir haben uns trotzdem für den Selbstbau entschieden und gehen damit wissentlich ein größeres Schadensrisiko ein. An dieser Stelle also gleich eine Warnung: Ich betrachte diesen Artikel nicht als “Bauanleitung”, sondern als “Erfahrungsbericht“. Mein Dach steht erst seit zwei Jahren – zu kurz, um die Konstruktion empfehlen zu können.
Auf der Plus-Seite des Selbermachens stehen wesentlich niedrigere Kosten: Im Vergleich zu dem angrenzenden Satteldach ist der Preis für das Flachdach zu vernachlässigen.

Dachkonstruktion

Ein dreiviertel Jahr nach der Bepflanzung.

Dachkonstruktion

Die Konstruktion des Daches mag etwas eigenwillig erscheinen und eignet sich sicherlich nur für relativ kleine und rechtwinklige Dächer. Bei uns beträgt die Spannweite der Sparren nur 3,5 m. An der Traufseite habe ich die Sparren 4 cm tief ausgeklinkt (verbleibender Querschnitt gemäß Statik) und direkt auf dem Beton-Ringanker befestigt. Auf der Rückseite liegen die Sparren auf einer 20 cm hohen Pfette auf. Auf diese Weise erhalte ich ein Gefälle von 24 cm auf einer Länge von 3,5 m – knapp 7% – und dies ohne den Ringanker mit Gefällt betonieren zu müssen. Diese 7% Gefälle bewirken, dass Regenwasser zügig abläuft, vorausgesetzt, die Dachhaut ist faltenfrei und ohne Mulden.

Dämmtechnisch handelt es sich um ein so genanntes “Kaltdach”, d.h. die Wärmedämmung liegt im wesentlichen zwischen den Sparren. Auf den Sparren habe ich 3,5 cm starke Holzweichfaserplatten befestigt, darüber liegt die 3,0 cm starke Belüftungsebene. Mit 3 cm Höhe scheint die Belüftungsebene – für ein Flachdach – eher gering zu sein. Andererseits ist die Spannweite relativ klein, zudem liegt Belüftungsebene in der Hauptwindrichtung, so dass bereits die kleinste Luftbewegung zu einer spür- bzw. fühlbaren Durchlüftung führt. Oben wird die Belüftungsebene von einer knapp 3cm dicken Schalbrettern abgedeckt. Der U-Wert inklusive raumseitiger Heraklith-Platte liegt unter 0.16 W/qmK.

Dachkonstruktion

Konstruktion des leicht geneigten Flachdachs.

Dachabdichtung

Hier habe ich vermutlich etwas unüberlegt gehandelt und deshalb nun eine doppelte Abdichtung. Der Reihe nach…
Die wasserableitende Schicht besteht nicht wie üblich aus einer mehrlagigen Bitumendachbahn, sondern aus einer EPDM-Dichtbahn. EPDM ist ein künstlich hergestellter Kautschuk, im Prinzip also Gummi. Entsprechend sind die Eigenschaften dieses Materials: Extrem dehnbar und reißfest (auch bei Kälte), UV beständig, wurzelfest und natürlich wasserdicht. Ein weiterer großer Vorteil für mich: Ich bekam die Folie als ein einziges Stück geliefert, habe also keine riskanten Klebestellen auf dem Dach. Diese Folien gibt es bis 1,5 mm Stärke z.B. bei http://www.kautschukfolie.de.

Als unterste Lage habe ich eine EPDM-Folie mit 1,5 mm Stärke direkt auf den Schalbrettern liegen. Diese Folie war ca. ein Jahr lang der einzige Schutz gegen Nässe. Als es an die Dachbegrünung ging, wurde mir allerdings doch etwas mulmig, weil ich zwischen Schalbrettern und EPDM-Folie keinen Schutz (z.B. Geovlies) gegen mechanische Beschädigung der Folie eingebaut hatte. Um die Dachbahn nicht noch einmal entfernen zu müssen, habe einfach auf die EPDM-Folie zwei Lagen Geovlies (140 g/qm) und eine weitere, 1 mm starke, EPDM-Folie gelegt. Die untere EPDM-Folie ist in meinem Aufbau also “overkill”.

Dachkonstruktion

Traufdetails

Begrünung

Zum Schutz gegen mechanische Beschädigung (z.B. durch Gartenwerkzeuge) liegen auf der oberen EPDM-Dichtbahn zwei weitere Lagen Geovlies. Da die EPDM-Folie wurzelfest ist, habe ich auf eine zusätzliche Wurzelschutzfolie verzichtet. Das “Substrat” für die Pflanzen besteht aus gebrochenen Blähton-Kügelchen und Kompost. “gebrochen” deshalb, weil die Kügelchen so besser Wasser aufnehmen. Dieses Material wird gerne als Wärmedämmung verwendet, ist relativ preiswert und leicht in Form von 50-Liter-Säcken zu bekommen. Es ist gleichzeitig Drainage und Pflanzerde. Im Prinzip kann man als Substrat auch Gartenerde und Kompost verwendet, allerdings hat diese Variante ein wesentlich höheres Gewicht, was bei uns das K.O.-Kriterium war.

Das geringe Gewicht des Blähtons hat noch einen weiteren Vorteil: Die benötigte Menge (ca. 3 cbm für knapp 30 qm Dachfläche) ließ sich problemlos von Hand auf das Dach verfrachten. Um auf die Traufhöhe von ca. 3,5 m zu kommen, habe ich vor das Dach ein kleines, ca. 1,7 m hohes Gerüst gestellt, auf dem ich jeweils 5-6 Säcke zwischen lagern konnte . Der Kompost (ca. 0.5 cbm) nahm in 20-Liter-Eimern den gleichen Weg.

Damit das Substrat im Laufe der Zeit nicht in die Traufe rutscht, habe ich am Dachrand entlang einen 10x10er Balken aus Douglasienholz befestigt (Kernseite nach innen/unten). Diesen Balken habe ich mit Biberschwanzziegeln unterlegt, damit Wasser unter dem Balken durch in die Regenrinne fließen kann. Um keine Löcher in die Dachbahn bohren zu müssen, habe ich den Balken nicht direkt mit der Dachkonstruktion verbunden, sondern über mehrere Gewindestangen mit einem “Anker” der ca. einen Meter weiter innen im Substrat lieg (der “Anker” besteht aus einem Kunststoffkabelkanal – weil das der erste passende und unverrottbare Gegenstand war, den ich in meiner Scheune gefunden habe). Im Prinzip könnte also immer noch der gesamte vorderste Meter meiner Dachbegrünung abrutschen. Bei einer Dachneigung von 7% halte ich dies aber für unwahrscheinlich. Bis setzt sind auch noch keine Bewegungen zu erkennen.

Dachkonstruktion

Details: Hinterer Abschluss

Die Substratdicke beträgt im Mittel 10 bis 12 cm – zu wenig für “normale” Pflanzen, kein Problem aber für Sedum-Arten. Um diese Pflanzen auf dem Dach anzusiedeln kann man entweder Sedum-Sprossen verteilen oder fertige Pflanzen setzen. Da es in meinem Fall schon bald Herbst wurde, erschien mir die Variante mit den Sprossen zu riskant und ich habe von http://www.srgruenhaus.de für erstaunlich wenig Geld vier Paletten mit insgesamt über 200 Sedum Pflanzen erhalten. Diese Pflanzen sind alle problemlos angewachsen und haben den ersten Winter bestens überstanden. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis sich daraus eine geschlossene Decke bildet, aber immerhin blüht es schon kräftig auf dem Dach. Leider ist davon vom Boden aus fast nichts zu sehen, weil die Pflanzen einfach zu niedrig sind. Deshalb habe ich entlang der Traufe einen ca. 20 cm hohen Wall aufgeschichtet (statisch problemlos weil sich unmittelbar darunter die tragende Außenwand befindet). Darauf habe ich größere Pflanzen gesetzt, die vom Hof aus zu sehen sind. Aber auch hier sollte man nur Pflanzen wählen, die Trockenheit vertragen. Bis jetzt überlebt haben Iris (mit reicher Blüte), Königskerze und Thymian. Neu hinzugekommen sind vier größere Fetthennen (vermutlich “Sedum spectabile”), die ich zuvor über mehrere Monate in kleinen Töpfchen abgehärtet (=nicht gegossen) habe.

 

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