Erfahrungsbericht Holzvergaser: Ein Jahr später

Seit fast zwei Heizperioden begleitet uns schon der Atmos Holzvergaser und es ist Zeit, Bilanz zu ziehen und Erfahrungen aufzuschreiben. Hat er unsere Erwartungen erfüllt? Wo klemmt es? Würden wir ihn wieder kaufen?

Der Kessel

Mit der Fertigstellung unseres Anbaus ist ein Atmos DC30GSE Scheitholzvergaserkessel in unsere Scheune eingezogen, der unserer 24 Quadratmeter Solaranlage in der kalten Jahreszeit unter die Arme greift. Mehr über die Heizungsanlage erfahren Sie in den Heizen mit Holz-Artikeln.

Holzverbrauch

Als Kaminofenbesitzer war ich positiv überrascht, was man mit 4-5 Ster Holz alles machen kann. Was vorher – im Kaminofen – gerade einmal für unser Wohnzimmer gereicht hat reicht jetzt für unseren 64 qm großen, gut gedämmten Anbau und (im momentanen Ausbauzustand) für knapp 20 qm unseres Altbaus – inklusive besagtem Wohnzimmer. Gut, die Solaranlage hilft auch mit: Ein Tag Sonnenschein bei Temperaturen zwischen 0°C und 5°C reicht für 12-24 Stunden Heizen. Wegen schlechtem Wetter kann man den Solarertrag von November und Dezember aber vernachlässigen.

Die Verbrennungsqualität lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Nach der ersten Heizperiode ist der Schornsteinfeger unverrichteter Dinge wieder abgezogen: Der Schornstein war noch so sauber, dass sich Kehren nicht gelohnt hat. Die Aschemenge, die im Kessel zurück bleibt, liegt unter 10 Liter pro Monat.

Solaranlage

Der erste (und bisher einzige) Wermutstropfen: Das Zusammenspiel zwischen Holzheizung und Sonnenkollektoren klappt weniger gut als erwartet, was jedoch nicht am Scheitholzkessel selbst liegt, sondern an der Temperatur des Kesselrücklaufs: Weil die Kesseltemperatur nicht unter 65°C sinken soll (wg. Korrosion), mischt der “Ladomat” (ein externes Bauteil mit Umwälzpumpe, (Vorlauf-)Temperatur gesteuertem Mischer, Thermometern, etc.) dem kalten Pufferwasser heißes Wasser aus dem Kesselvorlauf zu. Die resultierende Wassertemperatur ist allerdings nicht konstant, sondern steigt mit der Temperatur des “kalten” Pufferwassers. Als Folge ist die Temperatur des Kesselvorlaufs – und damit die maximale Temperatur im Pufferspeicher – nicht konstant sondern schwankt zwischen 75°C und 85°C. Was bedeutet dies in der Praxis? Wenn die Sonne nicht scheint, kühlt sich der Puffer auf die Heizungsrücklauftemperatur ab (bei mir unter 30°C). In diesem Fall arbeitet der Kessel an der unteren Temperaturgrenze: Rücklauf 65°C, Vorlauf 75°C. Hat die Sonne den Puffer bereits deutlich vorgewärmt, beträgt die Vorlauftemperatur unter Umständen mehr als 85°C und der Kessel schaltet in den nicht-effizienten Teillastbetrieb (Abgasventilator aus).

Als Lösung dieses Problems könnte man den Ladomat durch eine intelligentere Einheit ersetzen, die die Rücklauftemperatur oberhalb von 65°C hält aber so regelt, dass eine konstante Vorlauftemperatur erreicht wird, z.B. durch ein motorisiertes Dreiwegeventil. Der Puffer könnte damit regelmäßig auf die maximal mögliche Temperatur aufgeheizt werden, der Puffer würde mehr Energie speichern und der Kessel geschont werden.

Fazit

Insgesamt arbeitet der Kessel aber zuverlässig und problemlos. Der Arbeitsaufwand hält sich ebenfalls in Grenzen: Anzünden ist in 5 Minuten erledigt (wenn das Brennholz bereits im Heizraum lagert). Nach ca. zwei Stunden fülle ich den Brennraum nochmals voll, fertig. Teerablagerungen habe ich nur an den Metallteilen der oberen Brennkammer, dementsprechend schnell geht die Reinigung des Holzvergasers: Sie dauert bei mir ca. 10 Minuten und ist alle 2 bis 4 Wochen fällig. Sicherlich ist dieser Kessel einer der günstigsten und bietet weniger Komfort als einige deutlich teurere Konkurrenten. Ich bin allerdings sehr zufrieden und würde den Kessel jederzeit wieder kaufen.