Hausierende Handwerker

Nein, dies ist nicht unser Dach. Aber so hat es vermutlich besagter Handwerker gesehen…

Es klingelt an der Haustür.
“Ja, bitte?”
“Guten Tag, ich wollte mal fragen, ihr Dach müsste mal neu gemacht werden.”
(Unsere Dacheindeckung ist zwar 40 Jahre alt, aber noch zu 100% dicht.)
“Unser Dach? Was gefällt Ihnen daran nicht?”
“Naja, ist halt schon alt… oder die Fassade, die müsste auch mal neu verputzt werden.”
“Ja, richtig. Aber müsste die nicht laut EnEV auch gleich gedämmt werden?”
“Das würde ich nicht empfehlen. Sonst kann die Wand nicht mehr atmen. Ich würde Ihnen einfach einen Kunstharzputz drauf machen.”

Viermal grober Unfug in nur vier Sätzen. Leider erkennen dies nicht alle Leute und lassen sich viel zu leicht zu einer unnötigen oder gar schädlichen Sanierungsmaßnahme überreden. Mein persönliches Fazit aus dieser Begegnung:

Lass dir von hausierenden Handwerkern nichts aufdrängen! Ein guter Handwerker sollte ein gut gefülltes Auftragsbuch besitzen und schon deshalb keine Zeit haben, um von Tür zu Tür zu ziehen!

Sie möchten wissen, was ich für groben Unfug gehalten habe? Hier steht’s:

  • Nur weil eine Dacheindeckung alt ist, muss sie nicht erneuert werden.
  • Unsere Außenwand müsste gemäß EnEV tatsächlich gedämmt werden, wenn der Außenputz erneuert wird (EnEV Anlage 3.1).
  • Alternativen zu Styropor waren ihm offensichtlich unbekannt. Das erklärt auch, weshalb eine Dämmung -seiner Meinung nach- das “Atmen der Wände” grundsätzlich verhindert.
  • Wenn er aber auf das “Atmen” Wert legt, sollte er keinen Kunstharzputz aufbringen: Denn der Diffusionswiderstand eines 1cm dicken Kunstharzputzes ist z.B. ca. vier Mal größer als der einer 15cm dicken Mineraldämmplatte.
 

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