Tomaten – längere Ernte durch Regenschutz?

Sie kennen das? Irgendwann bekommen Ihre Tomatenpflanzen braune Blätter, die Früchte werden nicht mehr richtig reif und die Pflanze geht ein? Dann ist sie wahrscheinlich Opfer der Braunfäule, verursacht durch den Phytophtora-Pilz, geworden. Die Sporen dieses Pilzes werden mit dem Wind übertragen, können aber nur bei Feuchtigkeit auskeimen. Nasse Blätter begünstigen deshalb dessen Verbreitung.

Abhilfe schafft idealerweise ein Gewächshaus. Doch nicht jeder hat Geld und Platz dafür. Die zweitbeste Variante könnte ein einfaches Regendach sein, das verhindert, dass die Blätter nass werden (aus dem gleichen Grund soll übrigens auch beim Gießen kein Wasser auf die Blätter gelangen). Aber wie viel bringt ein Regendach wirklich? Lohnt sich der Aufwand? Zeit für ein Experiment:

Im Frühjahr 2009 habe ich acht Tomatenpflanzen (4 verschiedene Sorten) unter ein selbst gebautes Dach aus Dachlatten mit Plastikfolie gepflanzt. Vier Meter daneben die gleichen Sorten ohne Dach. Beide Pflanzungen wurden automatisch mit einem Tropfschlauch bewässert, somit konnte kein Gießwasser auf die Blätter gelangen. Die Bedingungen für beide Pflanzungen waren – vom Regenschutz abgesehen – also praktisch identisch. Das Ergebnis spricht für sich:

Tomatenpflanze ohne DachTomatenpflanze mit Dach

Links: Pflanze ohne Regenschutz. Rechts: Die gleiche Sorte unter Dach. Beide Bilder wurden am 19. September aufgenommen, bei der abgebildeten Sorte handelt es sich um eine vergleichsweise robuste Variante.


Wie die beiden Bilder zeigen, steht die ungeschützte Tomatenpflanze bereits Mitte September kurz vor ihrem Ende, obwohl es sich bei dieser Sorte um eine vergleichsweise robuste Variante handelt. Eine Pflanze einer anderen Sorte im ungeschützten Beet war zu dieser Zeit bereits eingegangen. Die unter Dach wachsenden Pflanzen sehen dagegen noch wesentlich gesünder aus, und haben uns bis weit in den Oktober hinein mit Früchten versorgt.

Bau des Tomatendachs

Für das Dach habe ich eine möglichst einfache und billige Konstruktion gewählt. Für meine Variante für acht Pflanzen habe ich verwendet:

4x Kantholz 6×6 cm², 2,5m lang
6x Dachlatte, 3m lang
6m² stabile, durchsichtige Plastikfolie

Konstruktionsskizze

Konstruktionsskizze.

Alle Hölzer blieben komplett unbehandelt. Imprägnierte Pfosten würden zwar die Lebensdauer verlängern, wären danach aber Sondermüll und hätten zwischenzeitlich vermutlich giftige Stoffe in meinen Biogartenboden abgegeben. Die billigeren, unbehandelten Hölzer kann ich dagegen problemlos entsorgen (am besten bei einem Lagerfeuer mit gebratenen Tomaten).

Die Dachlatten habe ich gemäß obenstehender Skizze untereinander und mit der Pfosten verschraubt. Die Pfosten habe ich unten angespitzt und ca. 50cm tief in den Boden eingeschlagen (während dem Einschlagen mit Wasserwage auf senkrechten Stand achten.)

Das Dach sollte eine Neigung von mindestens 5%, besser 10% oder mehr haben (d.h. 5cm bzw. 10cm pro Meter), damit Regenwasser zügig ablaufen kann. Die niedrigste Seite zeigt idealerweise in Wetterrichtung (meist zwischen Süden und Westen), um seitlich einfallenden Regen zu minimieren. Evtl. kann auch die Wetterseite noch mit Folie (teilweise) verschlossen werden (Winddruck beachten).

Für größere Varianten, oder wenn am Dach noch Tomatenstäbe festgebunden werden sollen, sind Dachlatten übrigens nicht mehr stabil genug. Mit etwas Geschick lassen sich die Latten aber hochkant einbauen, oder besser: mit einer zweiten, stehenden Dachlatte von unten verstärken, so dass ein T-förmiger Querschnitt entsteht.

Die Plastikfolie für meinen ersten Versuch war eine Baufolie, die ich geschenkt bekommen hatte. Leider sind diese Folien nicht UV-beständig und lösen sich im Herbst in tausend kleine Stücke auf. Nicht sehr empfehlenswert 🙁 Für die nächste Saison habe ich mir eine UV-beständige Gewächshausfolie besorgt, die hoffentlich viele Jahre ihren Dienst tun wird, mit 22 Euro pro 10qm aber auch den Gesamtpreis des Daches dominiert.

tomatendach

Das Tomatendach im September 2009.

Fazit

Nie wieder oben ohne! Aber auch mit einem Regenschutz ist man nicht komplett vor Braunfäule gefeit. Die Pflanzen halten aber deutlich länger durch, was die Kosten und Mühen meiner Meinung nach mehr als wett macht.
Auch mit einem Dach sollte man die üblichen Vorsorgemaßnahmen nicht vergessen: Zwischen den Pflanzen ausreichend Abstand halten (hier lohnt sich Geiz auf keinen Fall!) und den Boden unkrautfrei halten. Dadurch wird die Luftzirkulation verbessert und Wassertropfen (Tau und seitlich eingedrungener Regen) können schneller abtrocknen.

 

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